Geht Ihr, liebe Freundinnen und Freunde, einmal
in eine Videothek – gewiß nicht um einen dieser frauenfeindlichen
Pornos oder gewaltverherrlichenden Filme zu leihen, sondern weil
Ihr mal wieder Shakespeare in love sehen wollt – dann begegnen
Euch gleich am Eingang warnende Hinweise, Kinder, Jugendliche
und andere labile Naturen dürfen gleich gar nicht mit hinein:
Man kümmert sich um Euer Seelenheil !
Kommt Ihr aber zu Eurem Lebensmitteldealer, könnt Ihr alle
Scheußlichkeiten der Lebensmitteltechnik frei erwerben:
Gleich am Eingang, in der Gemüseabteilung, grüne Kugeln
die als „Äpfel“ angeboten werden. Herkunftsländer:
Argentinien, Chile, Südafrika oder andere Bereiche der Antipoden
die uns in der Vergangenheit als Militärdiktaturen und rassistische
Regimes bekannt waren. Wegen der weiten Reise sind diese Dinger
wahrscheinlich schon in der Blüte geerntet und sofort im
Kühlhaus eingelagert worden. Wie sie dort die Apfelform erworben
haben, wissen wir nicht. Viel interessanter ist aber auch das
zweite Geheimnis dieser „Früchte“: They never die!
Legt sie doch mal an ein ruhiges Plätzchen in Eurem Lebensraum.
Woche um Woche, Monate gar, strahlen sie Euch mit ihrer gewachsten,
vornehm grünen Blässe an, ohne das zu tun was ein stinknormaler
Apfel tun würde: Nämlich verfaulen !
Leute, das sind Zombies! Und dann die roten Kugeln: „Tomaten“
steht auf dem Preisschild; Herkunftsland: Holland. Ein blindes
Huhn findet ja vielleicht mal einen Korn (oder einen Hahn), eine
von diesen Tomaten würde es nicht erkennen. Es kann ja nicht
sehen, und am Geschmack erkennen kann man diese Dinger nicht.
Man könnte sie übrigens auch Granny Smith nennen, sie
haben nämlich die gleiche beängstigende Lebensdauer.
In der gleichen Abteilung, in zarte Folie eingepackt, gibt es
dann noch eine Handvoll grüne Blätter die Euch die Dealer
als „Kopfsalat“ andrehen wollen. Der fällt nun
wiederum gleich beim Anblick einer Salatschüssel geräuschlos
in sich zusammen, ist also schon von Anfang an tot. Vorsichtig
aber beim Wegwerfen: Solltet Ihr eine gute Freundin bei der örtlichen
Sondermüllannahme haben, wird sie Euch erklären, daß
es sich um freiverkäuflichen Sondermüll handelt, so
hoch ist der Nitratgehalt!
Ich könnte so noch weiter erzählen, von den Wassergurken,
dem stinkenden Blumenkohl (der ist mit Scheiße gedüngt
und kann sich den Geruch prima merken!), dem Weißkraut das
nach Chemie stinkt und so weiter…
Wir wollten aber auch noch ein Stück Fleisch kaufen
(VegetarierInnen können sich hier überlegen grinsend
zurücklehnen) und nähern uns deshalb der Fleischtheke.
Die nun würde unser blindes Huhn übrigens leicht finden:
immer der Nase und dem Aasgestank nach! Lecker sieht's da aus,
alles appetitlich aufgeschnitten und großzügig präsentiert.
Ja, warum haben wir denn die Hackfleischverordnung?
Weil Fleisch, wenn es in kleine Stücke geschnitten ist, rasend
schnell schlecht wird! Deshalb stinkt es auch so. Wollen uns denn
die sensiblen Typen aus den Fleischabteilungen und auch einigen
Metzgereien den Anblick eines kompletten Tierteiles ersparen,
von dem sie bei Bedarf – also auf unseren Wunsch hin –
ein Kotelett oder what ever absäbeln? Nein, so etwas sieht
man nur noch in kleinen Metzgereien in Frankreich oder Italien.
Na, dafür ist wenigstens das Rindfleisch nicht so
alt. Nee, das ist verhältnismäßig frisch und damit
zäh wie Hosenleder! Rindfleisch muß nämlich geraume
Zeit abhängen („am Stück“ natürlich!),
aber das kostet ja Geld… In Frankreich oder Italien habe ich
noch nie ein zähes Stück Rindfleisch bekommen, auch wenn es
von billigeren Teilen stammte, war es immer zart, auch ohne langes
schmoren.
Kalbfleisch ist, bedingt durch diverse Hormon- und BSE-Krisen
arg in Verruf gekommen. Auch hier muss man sich vergewissern,
dass der Metzger der Wahl zuverlässig ist.
An dieser Stelle stand bisher ein sehr abwertender Kommentar zu
Schweinefleisch. Nachdem aber mittlerweile jede Fleischsorte
in Skandale verwickelt wurde, änderte ich meine Meinung.
Beim zuverlässigen Metzger gekauft, kann man auch Schweinefleisch
unbesorgt essen. Und wenn man nicht gerade die völlig mageren
(magergezüchteten!) Teile verwendet, kann es auch gut schmecken.
Und Geflügel! Ran an die Tiefkühltruhe,
prima, drei Hähnchen im Gebinde nur knapp zehn Märker!
HALT !!! So sehen Hähner1
nicht einmal aus wenn sie tot sind. Diese stromlinienförmigen
Fleischteile im Plastikschlauch sind nämlich nicht nur das
Produkt einer menschen- und tierverachtenden Mästprozedur
sondern auch eines Vorganges den man tatsächlich „Wasserkühlung“
nennt, wie beim Auto.
Wenn die lieben Tierchen den Mästvorgang überlebt haben
– und die Chance ist nicht hoch – werden sie geschlachtet,
ausgenommen und kommen dann, alle zusammen, in Eiswasserbottiche.
Dort sollen sie sich soweit abkühlen, daß das eigentliche
Tiefgefrieren nicht mehr so teuer wird.
Ergebnis des Verfahrens: Die schlachtwarmen Tiere verlieren ihren
Fleischsaft (der wird durch das Wasser ersetzt); wenn eines von
Tausenden Salmonellen hat, kriegen alle Salmonellen; die ganze
Leiche wird mit einer tüchtigen Portion von der Kühlbrühe
dann in einen Schrumpfschlauch gezwängt. Da erst jetzt gewogen
wird, bezahlen wir die Brühe natürlich mit! Würden
wir jedenfalls, wenn wir jetzt immer noch nicht den Appetit verloren
hätten. Was sich beim Auftauen einer solchen Wasserleiche
in der Schüssel sammelt, ist also kein Fleischsaft sondern
eine salmonellenverseuchte Blut/Wasserbrühe!
Versteht Ihr jetzt, warum es in Frankreich kaum gefrorenes Geflügel
zu kaufen gibt? Schlau, die Franzosen!
Aber: Nichts gegen das Einfrieren von Geflügel. Zur Vorratshaltung
und nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen kann es durchaus
nötig sein. Und es gibt ja auch ein besseres Verfahren: Nämlich
die Luftkühlung (Genau, wie beim alten VW-Käfer!). Dabei
werden die geschlachteten Hähner in einen kalten Luftstrom
gehängt und dadurch runtergekühlt. Wenn man die auftaut,
kommt nicht soviel Brühe `raus, außerdem behalten sie
eher ihre hähnerähnliche Form.
Interessanterweise hat seit langem auch die CMA, die Marketinggesellschaft
der deutschen Landwirtschaft, das Problem erkannt und bewirbt
gelegentlich die luftgekühlten Hähnchen.
Wenn wir verstärkt zu solchen Produkten greifen würden,
würde sich auch die Industrie alsbald umstellen. Neben der
geschmacklichen Verbesserung diente das auch der Gesundheit der
Bevölkerung, es wäre nämlich ein entscheidender
Schlag gegen die Salmonellose.
Und so wird sich überhaupt nur unser Problem lösen lassen:
Wir sollten beim Einkauf kritisch und wachsam sein, den offenkundigen
Mist liegen lassen und uns Lieferanten suchen deren Produkte wirklich
unseren Anforderungen entsprechen.
Bestimmt gibt es auf dem nächsten Bauernmarkt Händler
die vernünftig gezogenes Gemüse verkaufen, Geflügelzüchter,
die einigermaßen schmackhaftes Geflügel verkaufen und
so weiter.
Ganz klar ist, daß man nach Möglichkeit nur die Produkte
kauft, die gerade Saison haben! Daß Erdbeeren im Winter
nicht nötig sind, ist eigentlich einsichtig, aber auch Kopfsalat
oder Tomaten können im Januar nur im Treibhaus „gereift“
sein und schmecken auch so.
Insbesondere Lammfleisch, aber auch Rindfleisch oder Kaninchen
kann man sehr gut bei den Erzeugern selbst kaufen. Ich besorge
mir zum Beispiel seit Jahren ganze Lämmer oder Teile von
Rindern bei privaten Züchtern und bin damit noch nie Reingefallen.
Wer meint, daß er so viel nicht benötigt, kann sich
ja mit FreundInnen zusammentun und so ein Tierchen teilen.
Wer dann und wann nach Frankreich, Italien oder auch in die Schweiz
kommt, sollte dort ruhig mal eine Kirche weniger und dafür
einen Supermarkt aufsuchen. überall findet man Produkte,
die es hier nicht, nur schlechter oder teurer gibt.
1 Geschlechtsneutral: Hühner/ Hähne
Ich möchte doch lieber etwas anderes lesen,