Mamadou's dream
Zwar nicht durch empirisch belegte ethnologische
Studien, aber durch eigenen Augenschein konnte ich mich davon
Überzeugen, daß Nord- und Westafrikaner alles stehen
und liegen lassen, wenn irgendwo Couscous gereicht wird. Und ich
muß gestehen, auch ich greife gerne zu, bei diesem kulinarischen
Ausflug in Richtung Äquator.
Couscous ist zunächst einmal ein griesartiges
Hartweizenprodukt.
Er
wird in lauwarmem, leicht gesalzenem Wasser eingeweicht (100 g
Couscous + 100 ml Wasser) und dann zwischen Zeigefinger und Daumen
zerrieben. Das Zerreiben geht vielleicht auch anders, aber wenn
Ihr jemals einem Afrikaner dabei zugeschaut habt, wie er voller
Andacht den Couscous zwischen eben diesem Daumen und Zeigefinger
zerreibt, werdet Ihr es nur noch so machen. Die angefeuchteten
Körner kommen dann in ein Sieb und werden über Wasserdampf
gegart. Dabei müssen sie mehrfach aus dem Sieb geschüttet
und erneut zerrieben werden, damit sich keine Klumpen bilden.
Natürlich gibt es besseres als Wasserdampf um Couscous zu
garen, aber davon später.
So gegart kann man den Couscous als Beilage einsetzen
wie Reis oder Nudeln auch. Was Mamadou nervös macht, sind
die Zugaben.
Mir sind zwei Versionen bekannt: Zuerst die üppige, volkstümliche für eine größere Gruppe hungriger Gäste.
Man nehme je nach Belieben und Vorrat:
- einen Hammelhals (Keule, Schulter... vom Lamm)
- ein Huhn, - eine Beinscheibe, Rippe, oder ... vom Rind - vielleicht
eine Zunge? Das wird gekocht. In den Topf wirft man dann Gemüse
in groben Stücken (und so, daß alles gleichzeitig fertig
wird), z.B. ganze Möhren, Selleriestücke, viertel Wirsing
oder Weißkraut, halbe Paprikaschoten, Porreestangen, Blumenkohlstücke,
Zwiebelviertel, Zucchinis und so weiter. Pfeffer, Salz ist klar,
ansonsten würzt sich das Ganze schon von selbst gegenseitig.
Nebenbei köchelt man sich eine Tomatensauce
(ich nehme die, die auf die Pizza kommt) in die man mit vollen
Händen Chillies oder Peperoni oder andere Höllengewürze
reinwirft (auf den Couscous-Kartons steht was von Pimenten: das
heißt natürlich nicht Piment! "Piment" kommt
in diesem Fall aus dem Französischen und meint Pfefferschoten
[piment fort]. Dieser Hinweis gilt auch für Rezepte die aus
dem spanischen übersetzt sind, dort heißt "pimento"
auch Pfeffer).
Tja, wenn jetzt das Sieb mit den Couscous Körnern
auf den Topf mit dem Gemüse und dem Fleisch paßt! Dann
zieht nämlich der aufsteigende Bouillondampf in den Couscous
und erhöht das spätere Essvergnügen beträchtlich1.
Zum Essen werden Fleisch und Gemüse aus der
Bouillon genommen, (Huhn enthäutet, Fleisch in Stücke
geschnitten) und in der größten verfügbaren flachen
Schüssel hübsch angerichtet. Von der Bouillon kommt
etwas in eine Terrine, die scharfe Tomatensauce in eine Sauciere.
Weißbrot dazu, Aïoli hatten wir auch vorbereitet, und
das Schlemmen kann beginnen.
Wie? Couscous auf den Teller, scharfe Sauce
drüber, Bouillon drüber, Fleisch und Gemüse, Aïoli
aufs Weißbrot dazu.
Jetzt noch ein schönes Bierchen? Bloß
nicht! Der Couscous würde im Bauch weiter quellen, daß
Ihr fürchten müßt, Ihr würdet platzen !
Die etwas andere Variante für den feinen
Besuch:
"Couscous
African-Queen"
- Lammkeule (Schulter, Koteletts) - Hähnchen
- Steak (?). Also gebratenes Fleisch, mit südlichen Kräutern
gewürzt. Dazu eine Art Ratatouille, angereichert mit Rettichscheiben,
Kichererbsen, Mandelblättern und wiederum die scharfe Sauce
dazu. Für die nehme ich übrigens die (etwas reichlicher
bemessene) Sauce von der Ratatouille.
Jetzt kann Bin Laden ruhig kommen, wir sind auf ihn
vorbereitet!
Und wenn er doch nicht kommt und der Sommer heiß
ist und wir schon mal einige Lammkoteletts grillen oder picknicken
wollen, dann machen wir
Taboulé (Cous Cous Salat)
In Frankreich gibt es so etwas in fast jedem Lebensmittelhandel, fertig oder als Halbfertiggericht,
ich habe mein eigenes Rezept mit wesentlich mehr Gemüse entwickelt.
Dazu wird der Couscous, etwa 250 g, wie oben
beschrieben über
Dampf gegart, dann aber abgekühlt. In die kalten Krümel
kommen
jetzt: Gewürfelte Möhren, Zucchini, Gurken, Kichererbsen
(nicht gewürfelt, aber aus der Dose oder gekocht), Oliven,
grüne
Erbsen usw. Dahein wird gestoßener Kreuzkümmel und reichlich
Minze (Nane im türkischen Laden)
gegeben, gesalzen und alles mit einer Zitronen/Olivenölvinaigrette
vermischt. Nachdem der Salat einen Tag gezogen hat, sollte man
eventuell nochmal nachwürzen (Salz, Essig), der Cous Cous schluckt
scheinbar die Gewürze.
Die Überraschung (für unsere Gaumen)
beim Taboulé sind die Rosinen, meine Überraschung
für den afrikanischen oder französischen Geschmack sind
wahrscheinlich die Zitronenstücke die ich da reingemengt
habe. Dieser Salat schmeckt ganz erfrischend und ist wesentlich
Sonnenhitzeresistenter als die unsäglichen Mayonnaise-Nudelsalate
die immer wieder ganze Grill-Gesellschaften in die Salmonellose
treiben. Außerdem ist er vortrefflich geeignet, das Sommerfest des Französisch-Kurses zu beeindrucken.
1 Im einschlägigen
Fachhandel gibt es auch spezielle Couscous Töpfe dafür.
Ich möchte lieber etwas anderes kochen,