| Der Elsass und die Vogesen sind eine wunderbare Region. Vom landwirtschaftlich betriebenen Gemüsegarten im Rheintal über erfolgreiche Weinberge bis zum waldreichen Mittel- bis Hochgebirge ist jede Landschaftsform auf relativ engem Raum vertreten. Ein gemeinsamer Aspekt ist aber in jedem Winkel der Region zu finden: Die Sorge um das gute Essen. Ich bin schon in vielen Gegenden Europas gewesen und habe mich natürlich immer auch um gutes Essen gekümmert - aber so im Mittelpunkt des Lebens wie im Elsass habe ich Genuss und Qualität von Lebensmitteln nie empfunden. Ob man sich im flachen Rheintal bewegt oder auf den Höhen der Vogesen, die nächste Einkehrmöglichkeit ist nie weit entfernt und selbst in der kleinsten "Ferme Auberge" mitten im Gebirgswald gibt es einen guten Käse und einen kühlen Wein. Und selbstverständlich sitzen vor der ferme auch die Einheimischen und genießen diesen Wein, der Tourist kann gerne dazu kommen, aber zumindest abseits der Hauptstraßen ist nicht der Tourist die Hauptperson, sondern der Genießer, woher er auch kommt. Es gibt über diese wunderbare Region hinreichend Literatur und auch Webseiten mit Tipps und Beschreibungen. Ich möchte hier nur die wenigen Adressen mitteilen, die mir bekannt sind & empfehlenswert scheinen. Damit möchte ich auch die jeweiligen Betreiber und Inhaber unterstützen, deren Qualität und Gastfreundschaft wir genossen haben. Dabei sind das nicht die großen Namen, die man überall findet, sondern kleine Betriebe, überwiegend ohne eigenen Internetauftritt. |
Gar nicht mehr so unbekannt und auch nicht unumstritten ist das Restaurnat "Jules" in Zimmersheim am südlichen Stadtrand von Mulhouse. In dem empfehlenswerten Reiseführer "Süd-Elsass & Sundgau" von Salamander und Abel wird dem Lokal fast eine Seite gewidmet. Tenor: Der Patron versetzt einen mit seinen Empfehlungen in höchste Erwartungen, aus der Küche kommt jedoch nur gute Elsässer Kost. Das ist allerdings auch schon was! Und die Empfehlungen des Patrons, der übrigens nicht Jules, sondern Philippe Breitenstein heißt und das Restaurant nach dem Kosenamen seiner Frau Juliette "Jules" genannt hat, sind wirklich ein Erlebnis für sich. Er beherrscht sein Metier. Der Reiseführer ist von 2003, im Jahr 2006 belegte "Chez Jules" immerhin einen ordentlichen 45. Platz in der Hitliste der Restaurants im Departement Haut-Rhin. Das wäre vermutlich in Niedersachsen ein vernichtendes Urteil, im Elsass ist das immer noch Spitze. Warum empfehle ich ein solches Mittelmaß? Weil die Atmosphäre wunderbar ist, in einem Artikel von Martin Jenni (von dem auch das Photo stammt) hieß es: "Das Geschäft brummt und der Patron summt." Sollte sagen, die Stimmung ist gut und an Kleidung überwiegt bei den Männern das karierte Hemd. Gut essen in lockerer Atmospähre, das zeichnet Jules aus. Inzwischen ist wohl auch Jenni der Meinung, dass Breitenstein zwar noch eine Erwähnung wert ist, aber seinem Ruf als grundehrlicher Gastwirt nicht mehr gerecht wird. Ein Umweg lohnt sich demnach nicht mehr, aber wer nur Hunger und genug Geld hat, wird noch auf seine Kosten kommen. | ![]() Philippe Breitenstein 5, rue de Mulhouse 68440 Zimmersheim Tel. +33 3 89 64 37 80 Täglich geöffnet (außer Samstag Mittag) http://www.restojules.fr |
| In
Colmar
sind wir
einem Tipp des oben zitierten Reiseführers gefolgt und haben
das Restaurant "Des Halles" gesucht. Gefunden haben wir aber das
Restaurant "Verre
de
Terres" am gleichen Platz, nämlich in der
Nähe der tradtionellen Markthalle. In diesem kleinen Lokal
gibt es wie beim Vorgänger Mittags nur ein Menü - man
nimmt
es, oder man lässt es - Auswahl hat man nicht. Das Prinzip des
Vorgängers, die Speisekarte nach den aktuell besten Angeboten
zusammenzustellen, wird also vom Nachfolger fortgesetzt. Wir haben es probiert und das Menu (12,- € pro Person für drei Gänge) war originell und von bester Qualität. Achtung: Es gibt dort weder Orangina noch Coca Cola, sondern Bio-Säfte, was aber kein Verlust ist, zumal eine gute Weinkarte vorhanden ist. Der Wein ist auch im Verkauf zum Mitnehmen. Öffnungszeiten: Miitags: Dienstag bis Freitag Abends: Mittwoch bis Samstag |
![]() Adresse: Eliot Bihler 11, rue Wickram 68000 Colmar Tel. + 33 3 89 23 61 10 |
| Noch
weiter
nördlich, ganz dicht an der deutschen Grenze, nämlich
in Sessenheim kann man auf dem Sentier
F.Brion - J.W.Goethe auf den Spuren der Romanze zwischen dem deutschen
Dichter und der elsässischen Pfarrerstochter gehen. Es gibt im
Dorf auch ein kleines Museum und eine Goethe Eiche. In der Goethe
Scheune soll sich der junge cand. jur. der keuschen Pfarrerstochter
genähert haben - wie nahe, ist nicht bekannt. Es gibt ein schickes Restaurant in Sessenheim, die "Auberge au Boeuf", zu der auch ein Goethemuseum gehört. Empfehlen möchte ich aber das Hotel "A la Croix d'Or" der Famlie Heintz. Das ist sehr ländlich und wenn man an einem Sommernachmittag aus dem verschlafenen Dorf in die einfache Gaststube kommt, spürt man mehr vom Geist des Elsass, als in den aufgemotzten Touristenhäusern. So wird man alsbald auch vom Patron nach dem Woher und Wohin befragt und mit Tipps für den Aufenthalt versorgt. Sehr gemtülich kann man auch im Hof (der nicht mehr so bäuerlich ist, wie noch vor ein paar Jahren) auf der Veranda sitzen. Das Hotel hat gemütliche preiswerte Zimmer und seit kurzem auch ein Gite (Ferienwohnung) mit zwei Schlafzimmern. Das Angebot an Speisen ist schmal, die Spezialitäten sind Tarte Flambée (Flammkuchen) und Pizza, am Wochenende werden Gerichte mit Rossbiff angeboten. Einen ordentlichen Imbiss und ein gutes Glas Wein gibt es aber immer. Von Sessenheim kann man Ausflüge zu den Töpferorten des Elsass, z.B. nach Soufflenheim, oder in die Rheinauen machen. Eine sehr schöne Fotoreportage über Goethe und Sessenheim von Ivo Schweikhart gibt es hier. Die Bilder #2 und #3 dieser Reportage sind im Croix d'Or entstanden. Von Eva Klingler gibt es sogar einen Kriminalroman, der in Sessenheim und von Goethe handelt - aber eben nur ein Kriminalroman ist: Eva Klingler: Warte nur, balde ruhest Du auch. Aber eigentlich sollte man in Sessenheim sowieso erstmal die einschlägigen Seiten aus Goethes "Dichtung und Wahrheit" lesen. | ![]() So hat Goethe das Pfarrhaus von Sessenheim in einer Rötelzeichenung dargestellt. ![]() Das Wappen von Sessenheim, ein Foto des Croix d'Or habe ich noch nicht, aber die Adresse: Rest.
A la Croix d'Or Fam Heintz 1, rue Goethe 67770 Sessenheim Tel. +33 3 88 86 97 32 |
| Wenn
man schon mal im Elsass
ist, dann sollte ein Ausflug in die Vogesen
nicht fehlen. Oder man hat sich sowieso in den Vogesen einquartiert -
dann kann man der nächsten Empfehlung auch folgen. Ich empfehle für einen eindrucksvollen Einstieg mit dem Auto die Straße D 417, die von Colmar über Munster zum Col de la Schlucht führt. Am Col ist man mitten drin und kann entweder in die Wintersportorte La Bresse oder Gérardmer weiterfahren oder man fährt nach links oder rechts auf die Route des Crétes, eine Straße die auf den Höhen der Vogesen entlangführt. Fährt man diese vom Col aus nach links in Richtung Markstein und Grand Ballon, dann kann man nach etlichen Kilometern rechts in Richtung Sondernach - Metzeral abbiegen. Nach kurzer Fahrt auf der D 27 zweigt nach links der Weg zur Ferme Auberge "Uff Rain", meiner nächsten Empfehlung, ab. Man kann mit dem Auto bis zur Ferme fahren, sollte aber aus inhaltlichen und optischen Gründen wenigstens die letzten zwei Kilometer zu Fuß gehen, wenn man die Ferme nicht ohnehin zum Ziel einer längeren Wanderung gemacht hat. Diese Ferme ist zwar voll gastronomisch ausgerichtet und leistungsfähig, unterscheidet sich aber sehr angenehm von den Betrieben direkt an der Route des Crétes, die eher zum Souvernirshop mit angeschlossener Getränkeausgabe mutiert sind. Im Uff Rain kann man das traditionelle Repas Marcaire bestellen, die Melkermahlzeit, zu der unter anderem eine Fleischpastete, die Tourte de la vallée gehört. Aber auch die klssischen anderen Gerichte sind erhältlich und zwar in ehrlicher Qualität. Auf keinen Fall sollte man sich das typische Dessert entgehen lassen: Es besteht aus einem Stück tagesfrischen Munsterkäse (Sieskäs), angemacht in einer Sauce aus Sahne und Kirschwasser. Wer die große Portion Sauerkraut "mit Allem" will, muss vorher anrufen und bestellen. Wir waren an einem normalen Donnerstag im Juli dort und es war rappelvoll - Anmeldung, insbesondere für mehrere Personen, ist also empfehlenswert. |
![]() Die Ferme Auberge Uff Rain in 1180 m Höhe in den Vogesen Der urige Gastraum ist eng, aber gemütlich und rauchfrei. Bei gutem Wetter kann man auch draußen sitzen und den weiten Ausblick genießen. Adresse: Auberge Uff Rain Famille Spenlé 68380 Metzeral Tel. +33 3 89 77 67 68 Geöffnet von Pfingsten bis 15. Oktober, Dienstags geschlossen. |
Sicher möchte man von all den Delikatessen, mit denen man sich im Elsass und den Vogesen locker um eine Konfektionsgröße nach oben essen kann, auch etwas mit nachhause nehmen. Die ganz große Auswahl französischer Lebensmittel gibt es im Cora in Colmar (Autobahnabfahrt Houssen), die letzte Gelegenheit für einen Hypermarche Besuch ist das Cora in Haguenau, kurz vor der Grenze nach Deutschland. Dort wird man auch elsässische Lebensmittel bekommen. Aber einen wirklichen echten Munster Käse oder die anderen Spezialitäten bekommt man entweder auf den Märkten oder direkt beim Erzeuger. Für Käse, Butter und andere Molkereiprodukte empfehle ich die Ferme Heinrich in Stosswihr. Das liegt an der Straße von Munster zum Col de la Schlucht. Hinweisschilder sind an der Straße, wenn man aufpasst und Glück hat, findet man den kleinen Verkaufskiosk direkt an der Straße, sonst muss man 800 Meter in den Ort hineinfahren. Geübte Wanderer können auch den Fußweg vom Col de la Schlucht nach Stosswihr nehmen, das dürfte hin und zurück eine Konfektionsgröße nach unten kosten. Bei Heinrich gibt es den echten Munster, den man noch durch drei Plastiktüten, eine Kühlbox und die geschlossene Autotür riecht - der aber dennoch überraschend mild schmeckt. Geschmack hat auch die Butter, sie schmeckt nämlich richtig nach Butter und nicht nach nichts, wie die Fettklötzchen, die es sonst im Laden gibt. Das gilt auch für die anderen Käsesorten. Hauptberufliche deutsche Lebensmittelkontrolleure sollten den Betrieb eher meiden - es ist eine landwirtschafliche Direktvermarktung und keine Chemie-Käse--Produktion. | ![]() Dieses Foto des AvD Wuppertal aus der Ferme Heinrich zeigt es: Bei uns dürfte eine Besuchergruppe nie ohne Kopfhaube in die Molkerei - der Käse ist deswegen bei uns aber weder besser noch bekömmlicher. Adresse: Ferme Heinrich 17, Chemin du Hohneck 68140 Stosswihr Tel. +33 3 89 77 58 03 Öffnungszeiten: täglich von 7 h - 11 h und 17 h - 20 h. |
Zwar sind ein gutes Rezept und die richtigen Zutaten das Wichtigste für ein gutes Essen, ein wenig hängt der Erfolg aber auch von den benutzten Gerätschaften ab. Und es wäre ein Wunder, wenn eine Gegend wie das Elsass nicht auch da etwas zu bieten hätte: Am Ortsausgang von Turckheim (das liegt etwas seitlich an der Straße von Colmar nach Munster) befindet sich der Werksverkauf der Firma Staub, Hersteller von allerlei Kochgeräten aus Gusseisen. Unter anderem gibt es dort den berühmten Kochtopf von Paul Bocuse mit der Möglichkeit, Wasser auf den Deckel zu gießen, siehe Foto rechts. Neben allen erdenklichen Gusstöpfen, -bratfpfannen, Gratinierformen usw. gibt es auch eine reiche Auswahl an Keramikgefäßen. und sonstigen Kochutensilien. Ein Besuch lohnt sich. Man findet oft in den umliegenden Supermärkten auch mal einen günstigeren Gusstopf, dann ist aber entweder der Deckel nicht so raffiniert oder es fehlt die geschliffene bzw. plangedrehte Unterseite oder es ist einfach nur ein Plagiat aus billigerer Produktion. Webseite:
| ![]() Das ist der Auto-Mijoteur der Fa. Staub, für den Bocuse Werbung macht. Auf deutsch heißt das Automatik-Schmorer. Da die innen aufsteigende Bratflüssigkeit am Deckel kondensiert und wieder auf das Bratgut zurücktropft, bleibt der Inhalt saftiger und aromatischer. ![]() Die ovalen Gratinierformen aus Gusseisen sind nicht nur schön und praktisch, sondern halten mindestens 300 Jahre! |
| Wenn
Sie gerade nicht im Elsass sind, sondern sich in oder um Stuttgart
herum aufhalten und dennoch einmal elsässisch essen
möchten, dann brauchen Sie nicht weit zu fahren: Das Elsass
liegt um die Ecke, nämlich im Goldenen
Löwen
in Marbach
am Neckar. Dort sorgen Hannelore Lura (Service) und Ernest Rochel
(Küche) dafür, dass ihre Gäste
verwöhnt werden. Schwäbische Gastlichkeit und
elsässische Küche verbinden sich auf das Beste. Dabei
meine ich mit elsässisch natürlich nicht
Bäckeoffe und Flammkuche, sondern die
ausgeprägte Liebe zur guten Küche.
Voraussetzung dafür ist Qualität und deswegen kaufen
Hannelore und Ernest neben heimischen Produkten auch einmal in der
Woche in Straßburg ein. Im nicht piekfeinen sondern ansprechend gemütlichen Restaurant oder auf der wettergeschützten Terasse kann man einen perfekten Service und perfekte Küche genießen. Das Versprechen im Internetauftritt, es werde gehobene französische Küche geboten, wird eingehalten. Die Preise sind angemessen, für zwei Personen und drei Gänge sollte man mit Getränken einen sehr runden Hunderter einkalkulieren - der hat sich dann allerdings auch gelohnt! Für Literaturinteressierte: Im Haus des Löwen wurde 1732 Schillers Mutter geboren. | ![]() ![]() Adresse:
Hannelore Lura und Ernest Rochel Niklastorstraße 39 71672 Marbach am Neckar Tel. 07144 - 6663 http://www.goldener-loewe-marbach.de |
| Falls Sie bei einem Besuch in den angegebenen Lokalen feststellen, dass meine Beschreibung nicht mehr stimmt, senden Sie mir bitte eine Mail. | Zurück zur Eingangsseite |